oktoberr ist ein kleines Café im Bochumer Westen. Wir mahlen jede Tasse einzeln, setzen den Teig für die Zimtschnecken am Vorabend an und stellen so viele Stühle nach draußen, wie das Wetter zulässt. Keine Sirupwand, keine Musik, bei der man sich über den Tisch beugen muss. Nur Kaffee, Küche und Platz zum Sitzenbleiben, auch beim zweiten Kaffee.
Vorgemahlener Kaffee verliert das meiste Aroma innerhalb weniger Minuten. Deshalb steht die Mühle direkt neben der Maschine und läuft für jede Bestellung neu. Das kostet dreißig Sekunden. Du schmeckst es sofort.
Teig, Brühe, Aufstriche, Kuchen: alles entsteht bei uns in der Küche. Wir kaufen kein vorgebackenes Gebäck und keine fertigen Soßen. Das hält die Karte kurz, und genau das ist der Punkt.
Steckdosen an den Wandtischen, stabiles WLAN, Leitungswasser ohne Nachfragen. Niemand räumt dir den Teller weg, weil du beim zweiten Kaffee noch liest. Ab vier Personen freuen wir uns über eine Nachricht vorher.
Was in der Maschine läuft, kannst du mitnehmen. Ganze Bohne oder auf deine Methode gemahlen, im Pfandglas oder in der Tüte. Das Röstdatum steht auf jedem Glas, frag am Tresen danach.
Wenn du wenig Zeit hast, reichen diese drei Kästen. Wer mehr wissen will, findet weiter unten die langen Fassungen.

Zwei Röstungen, eine helle für Filter, eine dunklere für Espresso. Dazu Batch Brew ab neun Uhr und Cold Brew, sobald es warm wird. Wir mahlen für jede Methode neu, wiegen jede Dosis ab und justieren morgens nach. Auf der Tafel stehen Herkunft, Höhenlage und Röstdatum.

Sauerteigbrot vom Bäcker um die Ecke, Eier aus Freilandhaltung, Marmelade aus dem eigenen Topf. Frühstück gibt es den ganzen Tag, ab mittags kommen zwei warme Teller dazu. Sieben Positionen, alle vegetarisch, die meisten davon auch vegan machbar.

Vorne die Fensterplätze, hinten die ruhige Ecke mit den langen Tischen, draußen acht Tische, sobald die Sonne über die Häuser kommt. Für Gruppen räumen wir gern um. Steckdosen, WLAN und Leitungswasser gibt es überall im Raum.
Kaffee ist ein Aufguss aus gemahlenen Samen. Trotzdem gibt es kaum ein Getränk, bei dem so viele kleine Entscheidungen zusammenkommen. Zwischen der Kirsche am Strauch und deiner Tasse liegen rund zwölf Schritte, und bei jedem kann etwas schiefgehen. Wir beeinflussen die letzten vier. Die nehmen wir dafür ernst.
Wir arbeiten mit zwei kleinen Röstereien aus dem Ruhrgebiet zusammen, die ihre Einkaufspreise offenlegen. Das klingt nach einer Formalie, ist aber der wichtigste Unterschied auf der ganzen Karte. Der Fairtrade-Mindestpreis für gewaschenen Arabica liegt bei 1,80 US-Dollar pro Pfund plus Prämie. Partien, die nach Qualität statt nach Menge bezahlt werden, liegen häufig beim Doppelten oder Dreifachen.
Auf unserer Tafel steht deshalb nicht nur das Land. Da stehen die Farm oder die Kooperative, die Höhenlage und das Erntejahr. Kaffee ist ein Ernteprodukt wie Wein. Ein Lot aus Huila von 2025 schmeckt anders als das Lot von 2024 aus derselben Region, und das ist kein Fehler, sondern der Grund, warum sich Nachfragen lohnt.
Zweimal im Jahr wechseln wir die Filterbohne komplett. Wenn dir eine besonders gut gefällt, kauf ein Glas, solange sie da ist. Wir bekommen sie nicht ewig nach.
Vom Rohkaffee bis zum Ausschank vergehen bei uns selten mehr als vier Wochen. Frisch gerösteter Kaffee braucht nach dem Rösten drei bis fünf Tage Ruhe, weil er Kohlendioxid abgibt und sonst unruhig in der Tasse wirkt. Danach bleiben etwa vier Wochen, in denen er sein Bestes gibt. Ein Jahr altes Supermarktpaket ist nicht schlecht im Sinne von verdorben. Es schmeckt nur nach fast nichts mehr.
Beim Rösten passieren zwei Dinge gleichzeitig. Zucker karamellisiert, und Aminosäuren reagieren mit Zuckern zur Maillard-Reaktion, die für Nuss-, Brot- und Schokoladennoten sorgt. Röstet man zu kurz, bleiben Säuren scharf und grasig. Röstet man zu lang, schmeckt am Ende alles nach Röstaroma und nach nichts mehr davor.
Gute helle Röstungen sind nicht kürzer geröstet, sondern anders geführt: mehr Zeit nach dem ersten Knacken, weniger Endtemperatur. Das Ergebnis ist eine Tasse mit klarer Frucht, aber ohne die spitze Säure, die viele Leute mit hellem Kaffee verbinden.
Ehrlich gesagt: Wenn du deinen Kaffee mit viel Milch und Zucker trinkst, ist die helle Röstung oft die schlechtere Wahl. Sie verschwindet einfach. Sag am Tresen Bescheid, dann bekommst du unsere dunklere Espressoröstung, und niemand zieht dabei eine Augenbraue hoch.
Ein Espresso besteht zu etwa 90 Prozent aus Wasser, ein Filterkaffee zu über 98 Prozent. Trotzdem redet fast niemand darüber. Das Bochumer Leitungswasser liegt im mittleren Härtebereich, was für Maschinen eher gut und für den Geschmack eher ungünstig ist: zu viel Calcium macht die Tasse flach und kreidig.
Wir filtern deshalb auf einen Bereich, in dem Magnesium überwiegt. Magnesium bindet Aromastoffe besser als Calcium, und der Unterschied ist keine Feinheit für Nerds. Er entscheidet, ob eine Tasse nach Aprikose schmeckt oder nach warmem Wasser mit Kaffeegeschmack.
Die Brühtemperatur liegt bei uns bei 92 Grad, für hellere Bohnen zwei Grad darüber. Kochendes Wasser löst zu schnell zu viel und zieht Bitterstoffe mit. Wer zuhause keinen Wasserkocher mit Temperaturwahl hat: nach dem Kochen dreißig Sekunden warten, das reicht meistens.
Die Faustregel im Café lautet: eine gute Mühle an einer mittelmäßigen Maschine schlägt eine teure Maschine mit schlechter Mühle. Der Mahlgrad steuert die Oberfläche, an der Wasser den Kaffee löst. Ist er zu grob, läuft das Wasser durch und die Tasse bleibt dünn und sauer. Ist er zu fein, staut es sich und du schmeckst Bitterkeit.
Für Espresso arbeiten wir mit 18 Gramm im Sieb und rund 36 Gramm in der Tasse, in 25 bis 30 Sekunden. Für Handfilter nehmen wir 60 Gramm pro Liter, also etwa 15 Gramm auf 250 Milliliter, und lassen uns dreieinhalb Minuten Zeit. Diese Zahlen sind kein Dogma. Sie sind der Startpunkt, von dem aus wir jeden Morgen nachjustieren, weil Luftfeuchtigkeit und Bohnenalter die Extraktion verschieben.
Kauf ganze Bohnen und mahl sie direkt vor dem Aufguss. Das ist der größte Sprung, größer als jede neue Kanne. Investier lieber in eine Handmühle mit Kegelmahlwerk als in eine Maschine mit Display.
Wieg deinen Kaffee ab, statt Löffel zu zählen. Ein Löffel fasst je nach Röstgrad zwischen sechs und elf Gramm, das erklärt die meisten schwankenden Ergebnisse. Spül den Papierfilter kurz mit heißem Wasser aus, sonst schmeckst du Pappe mit.
Und lager die Bohnen dunkel bei Zimmertemperatur, nicht im Kühlschrank. Kaffee zieht Feuchtigkeit und Gerüche an, und niemand will Kaffee, der nach Zwiebeln riecht. Ein verschlossenes Glas im Schrank reicht völlig.
Wenn du eine dieser Sachen ausprobierst und es klappt nicht, bring die Bohnen mit. Wir mahlen sie dir auf deine Methode ein und schreiben den Mahlgrad auf den Deckel. Das dauert zwei Minuten und spart dir zuhause zwei Wochen Herumprobieren.
Die meisten Leute bestellen im Café das, was sie schon kennen. Das ist völlig in Ordnung, führt aber dazu, dass jemand mit einer Vorliebe für fruchtige Säure jahrelang Cappuccino trinkt und sich wundert, warum Specialty Coffee so ein Thema ist. Diese Tabelle ist unser Versuch, die Entscheidung abzukürzen.
Lies sie von rechts nach links. Such dir zuerst die Zeile, die deine Situation beschreibt, und schau dann, was daraus folgt. Die Zahlen sind unsere tatsächlichen Werte am Tresen, keine gerundeten Beispielwerte aus einem Lehrbuch.
| Getränk | Röstung | Mahlgrad | Verhältnis | Zeit | Passt zu dir, wenn |
|---|---|---|---|---|---|
| Espresso | dunkler | fein | 18 g auf 36 g | 25 bis 30 Sek. | du wenig Zeit hast und Schokolade und Nuss magst. |
| Cappuccino | dunkler | fein | 18 g auf 36 g plus 120 ml Milch | 25 bis 30 Sek. | du Milchschaum willst, der die Bohne trägt statt sie zuzudecken. |
| Flat White | dunkler | fein | doppelter Espresso plus 130 ml Milch | 25 bis 30 Sek. | dir Cappuccino zu schaumig und Latte zu milchig ist. |
| Handfilter | hell | mittel | 15 g auf 250 ml | 3 bis 4 Min. | du die Frucht der Bohne pur schmecken willst. |
| Batch Brew | hell | mittel | 60 g pro Liter | sofort im Glas | du Filterkaffee liebst, aber nicht warten möchtest. |
| Cold Brew | hell bis mittel | grob | 80 g pro Liter | 16 Std. kalt | dir heißer Kaffee im Sommer zu schwer ist. |
| Espresso Tonic | hell | fein | 1 Espresso auf 150 ml Tonic | 2 Min. Aufbau | du etwas Erfrischendes willst, das trotzdem nach Kaffee schmeckt. |
Zwei Hinweise dazu. Erstens: Milch verändert die Wahrnehmung von Säure stärker als jeder andere Faktor. Ein Kaffee, der schwarz nach Zitrone schmeckt, schmeckt im Cappuccino oft nach Karamell. Wenn dir schwarzer Filterkaffee zu spitz ist, probier dieselbe Bohne als Flat White, bevor du sie abschreibst.
Zweitens: Die Zeitangaben sind Zielwerte, keine Regeln. Wenn dein Espresso zuhause in 20 Sekunden durchläuft, mahl feiner. Läuft er nach 40 Sekunden noch, mahl gröber. Diese eine Stellschraube löst mehr Probleme als alles andere.
Drittens, und das ist der ehrlichste Punkt: Nicht jede Bohne funktioniert in jeder Zeile. Ein sehr fruchtiger Äthiopier als Cold Brew kann nach kaltem Tee schmecken. Wir sagen dir das am Tresen, bevor du bestellst.
Zeig uns die Zeile, die zu dir passt, dann bauen wir die Tasse entsprechend. Das ist keine Verkaufsmasche. Es ist schlicht schneller, als dreimal nachzufragen.
Hausgemacht steht auf jeder zweiten Speisekarte in Deutschland. Der Begriff ist rechtlich kaum geschützt, deshalb schreiben wir lieber auf, was bei uns tatsächlich in der Küche passiert und was nicht.
Unsere Zimtschnecken und das Hefegebäck setzen wir am Vorabend an und lassen sie kalt gehen, zwölf bis sechzehn Stunden bei sechs Grad. Lange kalte Führung baut Aromen auf, die eine schnelle Gare bei Raumtemperatur nie erreicht. Sie macht den Teig außerdem bekömmlicher, weil die Hefe Zeit hat, Zucker und Stärke aufzuschließen.
Der Nachteil liegt auf der Hand. Wir müssen abends entscheiden, wie viel wir am nächsten Tag verkaufen, und wir liegen regelmäßig daneben. Samstags um halb zwei ist das Blech oft leer. Das ist kein Marketingtrick mit künstlicher Knappheit, sondern schlicht die Grenze einer Küche mit einem Ofen.
Beim Frühstück entscheiden drei Zutaten fast alles. Das Brot kommt als Sauerteig vom Bäcker in der Nachbarschaft, geliefert am Morgen, nie vom Vortag. Die Butter ist echte Butter, keine Mischstreichfett-Zubereitung. Die Eier stammen aus Freilandhaltung von einem Hof am Rand des Ruhrgebiets.
Diese drei Positionen kosten uns etwa das Anderthalbfache dessen, was Standardware im Großhandel kostet. Wir schlagen das nicht auf die Preise, sondern gleichen es über eine kürzere Karte aus. Weniger Positionen bedeuten weniger Verderb, weniger Lager, weniger Handgriffe pro Teller.
Auf unserer Frühstückskarte stehen sieben Positionen. Das ist Absicht. Eine Küche mit vier Quadratmetern Arbeitsfläche kann entweder vierzig Gerichte mittelmäßig oder sieben Gerichte richtig gut machen.
Kurze Karten haben einen zweiten Vorteil, über den selten jemand spricht: Sie erlauben Frische. Wenn eine Zutat nur in zwei Gerichten vorkommt, wird sie schnell verbraucht. Bei einer Karte mit vierzig Positionen liegt zwangsläufig etwas im Kühlhaus, das seit Dienstag auf seinen Einsatz wartet.
Die ehrliche Kehrseite: Wer mit einer festen Vorstellung kommt, findet sie bei uns manchmal nicht. Wir haben keine Pancakes und keine Acai-Bowl. Wenn du mit Kindern kommst, die genau das erwarten, ruf lieber kurz an, bevor ihr euch auf den Weg macht.
Ein Stück Kuchen liegt bei uns über dem, was die Kette am Bahnhof verlangt. Das lässt sich rechnen. In einem Blech Pflaumenkuchen stecken Butter, Eier, Mehl und Obst zu Marktpreisen, dazu rund zwei Stunden Arbeitszeit einer Person, die dafür ausgebildet ist. Verteilt auf zwölf Stücke ergibt das einen Warenwert, unter den wir nicht kommen, ohne bei einer der Zutaten zu tricksen.
Wir haben uns dagegen entschieden, Margarine statt Butter zu nehmen oder Tiefkühlobst zu verwenden, weil man beides schmeckt. Was wir stattdessen machen: kleinere Stücke anbieten, wenn jemand nur einen Happen zum Kaffee will, und den Rest vom Vortag am nächsten Morgen günstiger verkaufen. Frag danach, es steht nicht auf der Tafel.
Unsere Karte ist komplett vegetarisch, ein großer Teil davon vegan. Das ist keine Haltung, die wir jemandem aufdrängen wollen, sondern eine praktische Entscheidung. Ohne Fleisch und Fisch brauchen wir keine getrennten Arbeitsflächen, keine zusätzliche Kühlkette und keine dritte Lieferung pro Woche.
Veganer Aufstrich, Haferdrink und pflanzliche Butter kosten bei uns keinen Aufpreis. Aufpreise für Hafermilch sind in vielen Cafés üblich, wir finden sie schwer zu begründen: Der Einkaufspreis liegt inzwischen nah an dem von Frischmilch.
Technisch ist Hafermilch übrigens die schwierigere Zutat. Sie schäumt anders als Kuhmilch, fällt schneller zusammen und verträgt weniger Hitze. Wir benutzen deshalb eine Barista-Variante mit etwas höherem Fettanteil und schäumen sie zwei Grad kühler auf. Wenn dein Flat White mit Hafer zuhause immer wässrig wird, liegt es meistens daran und nicht an dir.
Zwischen zwölf und drei gibt es zwei warme Teller, meistens eine Suppe und eine Quiche oder einen Auflauf. Beides wechselt wöchentlich, je nachdem, was der Gemüsehändler zwei Straßen weiter gerade da hat. Im Herbst heißt das oft Kürbis, im Frühjahr Bärlauch, im Hochsommer Tomate in allen Varianten.
Die Gemüsebrühe dafür kochen wir selbst aus Schalen, Strünken und Zwiebelresten der Vorwoche. Das ist die unspektakulärste Zeile in diesem ganzen Text und gleichzeitig die, an der man Küchen am ehesten unterscheidet. Fertigbrühe schmeckt in jeder Suppe gleich. Selbst gezogene Brühe schmeckt jede Woche ein bisschen anders.
Wenn du mit einer Unverträglichkeit kommst, frag uns direkt. Wir wissen, was in jedem Teller steckt, weil wir ihn selbst zusammengesetzt haben, und wir sagen dir ehrlich, wenn wir etwas nicht sicher ausschließen können.
Fotos sagen mehr über ein Café als jede Beschreibung. Hier siehst du den Gastraum an einem normalen Vormittag, das Regal mit den Bohnen für zuhause und den Fensterplatz, um den es an Regentagen kleine Verhandlungen gibt. Nichts davon ist für den Termin aufgeräumt worden. Wenn dir eine Ecke gefällt, sag beim Reinkommen Bescheid, dann halten wir sie frei, solange sie frei ist.
Ein Café ist zu einem großen Teil ein Raumproblem. Man braucht Plätze für Leute, die zehn Minuten bleiben, und Plätze für Leute, die drei Stunden bleiben, und beide sollen sich nicht gegenseitig stören. Wir haben ungefähr sechzig Quadratmeter Gastraum. Hier steht, wie wir sie aufteilen.
Die vier Zweiertische an der Fensterfront sind die begehrtesten Plätze im Haus, besonders wenn draußen Regen an die Scheibe läuft. Sie sind bewusst klein gehalten. Wer hier sitzt, trinkt meistens einen Kaffee, liest oder wartet auf jemanden.
Reservieren lassen sich diese Tische nicht. Das ist keine Schikane, sondern der einzige Weg, wie auch jemand ohne Planung mittags noch einen Platz findet. Wenn du sicher sitzen möchtest, nimm die hinteren Tische, die geben wir gern fest raus.
Der hintere Bereich hat zwei lange Tische und die Sitzbank an der grün gefliesten Wand. Dort ist es merklich leiser, weil die Bank und der Vorhang Schall schlucken. Das ist der Teil, in dem Leute arbeiten, Bewerbungsgespräche führen oder mit drei Freundinnen zwei Stunden reden.
Wir haben die Akustik nachträglich verbessert, weil der Raum anfangs hallte wie eine Turnhalle. Filz unter den Tischplatten, ein schwerer Vorhang, Teppich unter der Bank. Das klingt nach Details, macht aber den Unterschied zwischen einem Café, in dem man sich unterhalten kann, und einem, in dem man nach einer Stunde Kopfschmerzen hat.
Vor der Tür stehen acht Plätze auf dem Gehweg. Sie sind ab etwa elf Uhr in der Sonne, im Hochsommer bis in den frühen Abend. Wir stellen sie raus, sobald es über zehn Grad hat, und legen Decken auf die Stühle, solange es noch kühl ist.
Die ehrliche Einschränkung: Die Straße ist keine Fußgängerzone. Es fahren Autos vorbei, gelegentlich ein Bus, und an Werktagen hört man das. Wer absolute Ruhe sucht, sitzt drinnen besser.
Laptops sind bei uns willkommen, an allen Tagen und ohne Zeitlimit. Steckdosen findest du an der Bank und an den beiden Wandtischen. Das WLAN läuft über eine eigene Leitung, nicht über den Kassenanschluss, deshalb bricht es auch mittags nicht zusammen.
Eine Bitte haben wir trotzdem: Wenn samstags zwischen elf und zwei alles voll ist und du seit drei Stunden bei einem Filterkaffee sitzt, bestell etwas nach oder gib den Vierertisch für zwei Leute frei. Wir sprechen niemanden an, aber wir freuen uns, wenn es von selbst passiert.
Telefonate und Videocalls bitte draußen. Das ist die einzige harte Regel im Laden, und sie steht auch auf dem kleinen Schild an der Bank.
Ab sechs Personen freuen wir uns über eine kurze Nachricht vorher, dann stellen wir die hinteren Tische zusammen. Ab zwölf Personen planen wir mit euch, was es geben soll, weil unsere Küche sonst an dem Tag nichts anderes mehr schafft.
Den kompletten Raum vermieten wir außerhalb der Öffnungszeiten, meistens abends. Geburtstage, Lesungen, kleine Firmenfeiern, Cupping-Runden für Kaffeeleute. Schreib uns, was du vorhast, dann sagen wir dir ehrlich, ob es zu uns passt oder ob eine Location mit Küche für vierzig Leute die bessere Wahl ist.
Die verlässlichsten ruhigen Fenster liegen werktags zwischen halb neun und halb elf und am späten Nachmittag ab vier. Voll wird es samstags und sonntags zwischen elf und zwei, dann warten manchmal Leute an der Tür. Wir führen keine Warteliste, weil das bei sechzig Quadratmetern mehr Unruhe schafft als Ordnung.
Wer mit einer Gruppe kommt und keine Lust auf Warten hat, nimmt am besten den Vormittag. Zwischen neun und elf sind alle hinteren Tische frei, die Küche ist noch nicht im Stress, und die Zimtschnecken sind gerade aus dem Ofen. Das ist objektiv die beste Zeit für einen Besuch, auch wenn sie für die meisten Leute schlecht in den Tag passt.
Kinder sind willkommen. Wir haben zwei Hochstühle, Wachsmalstifte und Papier hinter dem Tresen und einen Wickeltisch auf der Toilette. Ein eigener Spielbereich passt bei sechzig Quadratmetern nicht rein, das gehört zur Wahrheit dazu.
Hunde dürfen mit rein, an der Leine und mit Wasser aus der Schüssel neben der Tür. Kinderwagen stellt ihr am besten hinten neben die Bank, dort blockieren sie den Weg zur Küche nicht.
Zum Schluss der Punkt, den wir am wichtigsten finden: Niemand muss bei uns etwas nachbestellen, um sitzen zu bleiben, und niemand bekommt eine Rechnung auf den Tisch gelegt, die er nicht verlangt hat. Ein Café verdient sein Geld über den Tag, nicht über die einzelne Stunde. Wenn du bei einem Kaffee zwei Stunden liest und dafür jede Woche wiederkommst, rechnet sich das für uns besser als jeder schnelle Durchlauf.
Wer wissen will, was der Unterschied zwischen Kaffee und Kaffee ist, schaut am besten einmal zu. Im Video siehst du eine komplette Runde: Bohnen abwiegen, mahlen, tampern, Shot ziehen, Milch aufschäumen. Dazwischen die Stellen, an denen wir stoppen und neu anfangen, weil die Extraktion nicht stimmt.
Das passiert bei uns mehrmals am Tag. Ein Shot, der zu schnell durchläuft, geht in den Ausguss und nicht auf den Tresen. Das kostet ein paar Gramm Kaffee und dreißig Sekunden, und es ist der Grund, warum die Tasse bei dir ankommt, wie sie soll.
Wenn du selbst eine Maschine zuhause hast, achte im Video vor allem auf zwei Stellen: wie flach der Kaffee im Sieb verteilt wird, bevor getampert wird, und wie früh der Milchkrug vom Dampfrohr genommen wird. Beides sind die Fehler, die wir am häufigsten sehen, wenn Leute uns fragen, warum es zuhause anders schmeckt.
Cafés gehören zu den wenigen Betrieben, die man nicht verlegen kann, ohne dass sie etwas verlieren. Die Straße gehört zum Laden. Deshalb ein Absatz darüber, wo wir eigentlich stehen.
Die Stühmeyerstraße liegt im Bochumer Innenstadtbereich, ein Stück westlich vom Rathaus und nördlich vom Hauptbahnhof. Es ist keine Einkaufsstraße und keine Ausgehmeile. Hier wohnen Leute, es gibt Praxen, ein paar Büros, eine Schule in der Nähe und viel Backstein aus der Zeit, als Bochum an Kohle gewachsen ist.
Genau deshalb sind wir hier. In der Fußgängerzone hätten wir mehr Laufkundschaft und die dreifache Miete, und wir müssten mehr Leute schneller durchschleusen. Auf einer Wohnstraße funktioniert ein Café anders: Die meisten Gäste kommen zu Fuß, viele mehrmals pro Woche, und irgendwann kennt man die Bestellung.
Vom Bochumer Hauptbahnhof läufst du gut zehn Minuten. Mit der U-Bahn steigst du am besten am Rathaus aus, von dort sind es ein paar Minuten zu Fuß nach Westen. Wer mit dem Auto kommt: In den Seitenstraßen gibt es Anwohnerparken mit Zeitfenstern, kostenlose Plätze sind vormittags realistisch, samstags eher nicht.
Fahrradbügel stehen direkt vor der Tür. Wenn sie belegt sind, schließ dein Rad an das Geländer neben dem Eingang, das ist mit uns abgesprochen und stört niemanden.
Das Deutsche Bergbau-Museum ist von uns aus in etwa zehn Minuten zu Fuß erreichbar, das ist der Ausflug, den wir Besuchern aus anderen Städten am häufigsten empfehlen. Der Tierpark liegt etwas weiter östlich, ebenfalls fußläufig, wenn man Zeit mitbringt.
Wer abends bleibt, landet früher oder später im Bermudadreieck rund um den Konrad-Adenauer-Platz. Von uns aus sind das knapp fünfzehn Minuten. Unsere Empfehlung: erst bei uns frühstücken, dann Museum, dann abends dorthin. In dieser Reihenfolge funktioniert ein Tag in Bochum ziemlich gut.
Es gibt einen hartnäckigen Satz über das Ruhrgebiet: Guter Kaffee sei hier später angekommen als in Köln oder Hamburg. Das stimmt so nicht mehr. In Bochum, Essen und Dortmund arbeiten inzwischen mehrere Röstereien, die ihren Rohkaffee selbst einkaufen, und die Dichte an Cafés mit eigenem Mahlgrad-Protokoll ist höher, als der Ruf der Region vermuten lässt.
Was hier tatsächlich anders läuft: Der Preis. Ein Flat White kostet in Bochum in der Regel weniger als in München oder Berlin, und die Erwartung, dass ein Café gleichzeitig Arbeitsplatz, Wohnzimmer und Treffpunkt ist, ist stärker ausgeprägt. Wir finden das gut. Es zwingt uns, effizient zu wirtschaften, statt Preise zu erhöhen.
In unseren Räumen war jahrzehntelang ein Ladenlokal, zuletzt stand es über ein Jahr leer. Die grünen Fliesen an der hinteren Wand stammen noch aus dieser Zeit, wir haben sie gereinigt statt herausgerissen. Der Boden ist neu, die Decke ist alt, und die Leitungen sind der Grund, warum der Umbau doppelt so lange gedauert hat wie geplant.
Leerstand ist im Ruhrgebiet kein Randthema. In vielen Wohnstraßen stehen Ladenlokale seit Jahren leer, weil Einzelhandel dort nicht mehr funktioniert. Gastronomie funktioniert oft noch, weil sie etwas verkauft, das man nicht online bestellen kann: einen Platz. Das ist keine romantische Idee, sondern der nüchterne Grund, warum dieser Raum wieder offen ist.
Einmal im Monat öffnen wir abends für eine offene Cupping-Runde. Fünf Kaffees, blind, ohne Vorwissen nötig, zwei Stunden. Wer regelmäßig kommt, merkt nach dem dritten Mal Unterschiede, die vorher nicht da waren.
Dazu hängen bei uns Arbeiten von Leuten aus dem Viertel an der Wand, wechselnd, ohne Provision. Wenn du malst, fotografierst oder druckst und eine Wand suchst, sprich uns an. Wir sagen auch ehrlich Nein, wenn es nicht passt, aber wir schauen uns alles an.
Und wenn du das hier liest, weil du gegenüber wohnst und dich fragst, ob sich der Weg über die Straße lohnt: Komm einmal vormittags, wenn es leer ist, und bestell einen Filterkaffee. Danach weißt du es.
Elf Fragen, die uns am Tresen und per Mail am häufigsten erreichen, mit der Antwort, die wir auch persönlich geben würden.
Für zwei bis vier Personen brauchst du keine Reservierung, komm einfach vorbei. Voll wird es vor allem samstags und sonntags zwischen elf und zwei. Wenn du zu dieser Zeit sicher sitzen möchtest, schreib uns kurz. Ab sechs Personen bitten wir immer um eine Nachricht vorher, damit wir die hinteren Tische zusammenstellen können. Die Fensterplätze geben wir grundsätzlich nicht fest raus.
Ja. Alle sieben Frühstückspositionen laufen von der Öffnung bis zum Küchenschluss. Ab zwölf kommen zusätzlich zwei warme Teller dazu, meistens eine Suppe und eine Quiche oder ein Auflauf. Beides wechselt wöchentlich, je nachdem was der Gemüsehändler zwei Straßen weiter gerade hat. Wenn etwas ausverkauft ist, steht es auf der Tafel am Eingang.
EC-Karte, Kreditkarte, Apple Pay und Google Pay funktionieren bei uns ohne Mindestbetrag. Bargeld geht selbstverständlich auch. Rechnungen für Firmenessen oder Catering stellen wir auf Wunsch aus, sag am Tresen Bescheid, bevor du zahlst, dann geht es schneller.
Der Eingang ist ebenerdig und im Gastraum gibt es keine Stufen, ein Rollstuhl kommt bis an die hinteren Tische. Die Toilette ist allerdings nicht rollstuhlgerecht, dafür ist der Raum zu klein. Wir sagen das lieber vorher, als dass jemand vor Ort enttäuscht wird. Ruf uns an, wenn du wissen willst, ob es für deine Situation reicht.
Ja, an der Leine und im ganzen Gastraum. Neben der Tür steht eine Wasserschüssel, Leckerlis gibt es auf Nachfrage am Tresen. Wenn dein Hund unsicher mit anderen Hunden ist, nimm den Tisch ganz hinten links, dort ist am wenigsten Durchgangsverkehr.
Beides. Das WLAN läuft über eine eigene Leitung und bricht auch mittags nicht zusammen, das Passwort steht auf der Tischkarte. Steckdosen findest du an der Sitzbank und an den beiden Wandtischen. Arbeiten ist an allen Tagen erlaubt, ohne Zeitlimit. Telefonate und Videocalls bitte draußen, das ist unsere einzige feste Regel.
Die Karte ist komplett vegetarisch, und der größte Teil lässt sich vegan machen. Haferdrink, pflanzliche Butter und veganer Aufstrich kosten keinen Aufpreis. Beim Gebäck steht die Kennzeichnung direkt an der Vitrine, weil sie sich täglich ändert. Frag im Zweifel nach, wir wissen bei jedem Teller, was drin ist.
Ja, mit mindestens drei Tagen Vorlauf. Ganze Bleche, Torten für Geburtstage und Gebäck für Besprechungen machen wir gern, solange es zu unserer Küche passt. Sehr aufwendige Motivtorten machen wir nicht, dafür fehlt uns die Ausstattung. Schreib uns, was du brauchst, dann sagen wir dir ehrlich, ob wir die richtigen dafür sind.
Beide Röstungen gibt es als ganze Bohne oder auf deine Methode gemahlen, im Pfandglas oder in der Tüte. Das Röstdatum steht auf jedem Glas. Wenn du dein eigenes Gefäß mitbringst, füllen wir es ab und ziehen das Leergewicht ab. Bring gern auch fremde Bohnen mit, wir mahlen sie dir ein und notieren den Mahlgrad auf dem Deckel.
Außerhalb der Öffnungszeiten vermieten wir den ganzen Raum, meistens abends. Geburtstage, Lesungen, kleine Firmenrunden und Cupping-Abende haben bei uns gut funktioniert. Für mehr als dreißig Personen sind wir zu klein, und das sagen wir auch. Schreib uns, was du vorhast, mit Datum, Personenzahl und ungefährer Vorstellung vom Essen.
Wir haben eine Toilette mit Wickeltisch. Gäste benutzen sie selbstverständlich kostenlos. Wenn du nur schnell musst und nichts bestellen möchtest, frag am Tresen, wir sagen in aller Regel ja. An Samstagnachmittagen mit voller Bude bitten wir manchmal um Verständnis, wenn Wartezeit entsteht.
Catering für kleine Runden machen wir gern: Frühstücksplatten, Quiches, Kuchen, mit mindestens drei Tagen Vorlauf und im Umkreis von wenigen Kilometern. Einen eigenen Lieferdienst haben wir nicht und wir sind auf keiner Lieferplattform. Das ist eine bewusste Entscheidung, weil unsere Teller nach zwanzig Minuten im Karton nicht mehr das sind, wofür ihr bezahlt.
Vom Hauptbahnhof sind es gut zehn Minuten zu Fuß, mit der U-Bahn steigst du am Rathaus aus und läufst ein paar Minuten nach Westen. In den Seitenstraßen gilt überwiegend Anwohnerparken mit Zeitfenstern. Vormittags findest du meistens etwas, samstags eher nicht. Fahrradbügel stehen direkt vor der Tür.
Schreib uns kurz für Tische ab sechs Personen, Vorbestellungen, Catering oder den ganzen Raum am Abend. Wir antworten meistens am selben Tag. Für alles andere gilt: einfach vorbeikommen, ein Platz findet sich fast immer.
Geschrieben von den Leuten, die hier täglich am Tresen und in der Küche stehen. Die Angaben zu Extraktion, Mahlgrad und Wasser hat unser Röstpartner aus dem Ruhrgebiet gegengelesen. Preise, Zeiten und Karteninhalte prüfen wir monatlich und aktualisieren diese Seite, sobald sich etwas ändert. Wenn dir hier etwas auffällt, das nicht stimmt, sag uns am Tresen Bescheid.
Veröffentlicht am 26. August 2026
Zuletzt geprüft am 26. August 2026
Lesezeit rund 22 Minuten